Klettern als erlebnispädagogisches und therapeutisches Angebot

Klettern ist mehr als „nur“ eine Sportart, es ist eine ganzheitliche Herausforderung mit psychischen, physischen und sozialen Komponenten und birgt dementsprechend viele Entwicklungsmöglichkeiten für die Klientinnen. Auf der psychischen Ebene lernen sie, konzentriert bei einer Sache zu sein und eine realistische Risikoeinschätzung zu machen. Sie werden mit ihren Ängsten konfrontiert und entwickeln Strategien, um konstruktiv mit ihnen umzugehen. Beim Klettern können sie positive Grenzerfahrungen machen, die ihnen viel Wissen vermitteln über den Umgang mit schwierigen Situationen im Alltag. Wie im Leben müssen sie sich auch beim Klettern gut spüren und sich fragen: Brauche ich eine Pause? Welches ist das richtige Tempo für mich? Wertvoll ist auch die Erfahrung, dass kleine Schritte oft Grosses bewirken. Beim Klettern ist oft nach einem einzigen Schritt ein Griff, der eben noch so unerreichbar weit weg war, plötzlich zum Greifen nah. Klettern ist eine sehr soziale Sportart, da die kletternde Person sozusagen ihr Leben in die Hände der sichernden Person gibt. Hier wird Vertrauen ebenso trainiert wie Verantwortungsübernahme. Ein Kletterteam ist füreinander da; beide erleben das Halten und das Gehalten werden, das Verbunden - sein durch gemeinsames Schauen, wie der Weg in die Höhe weitergehen könnte. Ein wichtiger Gewinn beim Klettern ist auch der Aufbau von Selbstvertrauen. Die Klientinnen erfahren, dass sie etwas erreichen können, dass sie stark und mutig sind. Sie können stolz auf sich sein, wenn sie eine schwierige Route geschafft haben. Auf der physischen Ebene schult das Klettern extrem das Körpergefühl. Die Standardbewegungen fordern feine, konzentrierte Bewegungen und der Körper muss immer wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Klettern fördert den Muskelaufbau und trägt zur allgemeinen Fitness bei. In der Chly Linde findet wöchentlich ein Klettertraining statt. Meistens in der Kletterhalle im Magnet, aber auch draussen am Fels. Themen der einzelnen Frauen, aber auch Gruppenthemen spiegeln sich oft beim Klettern und können dort weiter bearbeitet werden. Es werden mit allen Klientinnen Ziele formuliert und nach mindestens drei Monaten ausgewertet.